Index: A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
Z
Alinea – Hervorhebungszeichen, das innerhalb des Textflusses einen neuen Gedankengang ankündigt, heute entspricht dem ein Absatz. In den Manuskripten meist ein rot oder blau eingezeichnetes ¶, das noch von → Cobden-Sanderson gern verwandt wurde, → Morris bevorzugte seine kleinen Blätter.
Anagramm – beinah kabbalistisch anmutende Form der Verschlüsselung mittels Buchstabenumstellens, z.B. Carl Heun für H. Clauren.
Annotationen
– handschriftliche Marginalien, i.e. Randanmerkungen, oder
Interlinearkommentare eines – hoffentlich
gebildeten, klugen,
intelligenten, verständigen – Lesers. Im
Gegensatz
zur landläufigen These, daß Annotationen, so es
geht, ausradiert gehören, sind o.g. Anmerkungen bisweilen
wichtig: für die Geschichte der Textrezeption, weil ein
Prominenter sie verfaßte etc.
anonym – hier wollte sich der Verfasser aus religiösen, politischen oder anderen Gründen nicht nennen. Tiefschürfende Bibliographen haben manchem → Anonymus die Tarnkappe abgerissen; ein Nachschlagewerk dazu ist z.B. Holzmann/Bohatta. Ähnlich: Pseudonym.
Anthologie – Blütenlese, meint Auswahl von mehr oder minder charakteristischen Texten eines Dichters, einer Literaturepoche, einer Gattung, wie z.B. → Hofmannsthals „Wert und Ehre deutscher Sprache“.
Antiqua – Drucktype, deren Majuskeln (Großbuchſtaben) ſich von den römiſchen Inſchriften, deren Minuskeln ſich von der Karolingiſchen Schreibſchrift ableiten.
Zu
unterſcheiden von den gebrochenen Schriften, angefangen bei der von
Gutenberg benutzen Type der → B42
bis zur
Siehe weiter unten.
Meine Seite erſcheint, ſo Sie in Ihrem Navigator keine entgegengesetzten, festen Einſtellungen vorgenommen haben, in der „Times“, einer 1932 von Stanley Moriſon für die Zeitung „The Times“ entwickelten Antiqua.
Dies empfinde ich den angebotenen antiquariſchen Büchern entſprechender als eine moderne ſerifenlose Schrift wie z.B. die Arial oder Verdana.
Andere, im Internetz häufig benutzte Antiquaſchriften ſind zum Beispiel die Palatino Linotype und Georgia.
Auflage – in einem Durchgang beim Drucker gedruckte Menge von Büchern eines Titels, die jedoch nicht unbedingt auf einen Schlag beim Buchbinder zum fertigen Buch weiterverarbeitet werden muß; aus Kostengründen kann dies in Teilmengen geschehen, was bisweilen zu Einbandvarianten führt.
Auch kann die bereits gedruckte Auflage nachträglich verändert werden durch Fehlerkorrektur mittels ersetzter Blätter. Sind es mehrere, ist bibliographisch eigentlich nur der unkorrigierte Anfangszustand vom völlig durchgesehenen Endzustand innerhalb einer Auflage unterscheidbar, und einzelne Exemplare sind innerhalb dieses Spektrums einzuordnen.
Wechselt das Buch den Verleger, so wird vom neuen der Buchblock entweder unverändert übernommen, das Titelblatt an entsprechender Stelle mit den neuen Angaben überklebt, das Titelblatt ausgewechselt oder auch nur der Schutzumschlag erneuert.
Die Auflagenhöhe mag vom Verleger auf relativ wenige Exemplare begrenzt werden, dann spricht man von limitierter Auflage; noch besser ist es, wenn diese wenigen Exemplare vom Verfasser oder Künstler signiert und numeriert werden. Siehe auch Editio princeps und Erste Ausgabe.
Im angelsächsischen Raum wird anhand der ‚numberline’ zwischen ‚edition’ und ‚printing’ bzw. ‚impression’ unterschieden, was sich bei modernen Büchern der raschen Abfolge neuer Drucke vom stehenden Satz wegen auch bei uns eingebürgert hat. Eine vollständige Zahlenreihe von 1 bis n, zu der die dazugehörigen, meist zweistelligen Jahreszahlen treten können, ist dann Indiz für den ersten Druck der betreffenden Auflage. Der Satz bleibt, abgesehen von dieser Zahlenreihe, unverändert.
Auktionator – “The man who proclaims with a hammer that he has picked a pocket with his tongue” (Ambrose Bierce). Dem muß ich doch wohl nichts hinzufügen.
Ausgabe letzter Hand – das letzte Mal, daß der lebendige Autor korrigierende Hand an seinen Text vor dessen Veröffentlichung legt; danach kommen die Schriftgelehrten, Herausgeber, Kritiker, und was ihrer noch sind.
Autograph – die im allgemeinen kaum bis unleserliche eigene Handschrift des Autors auf einem Stück Papier. Doch eignet den → Autographen und → Widmungen der höchste Wert an Aura: wie anders käme man mit dem – meist verstorbenem und daher für normale Kommunikationswege wie Telephon oder E-Post unerreichbarem – Verursacher des Gedankens näher zusammen?
Nein, E-Post und Einträge im Internetztagebuch ersetzen die Handschrift nicht: man bemächtige sich eines Füllfederhalters und probiere es aus.
berieben – Oberflächenbeschädigung, bei der diese aufgerauht bis aufgescheuert ist, letzteres wäre als ‚stark berieben’ zu beschreiben. Meist geht mit der Bereibung eine Farbveränderung einher.
beschabt – Oberflächenbeschädigung eines schichtigen Bezugstoffes wie z.B. Leder, bei der dessen oberste Schicht an der betreffenden Stelle von der darunterliegenden gelöst bzw. abgelöst ist.
Beschädigungen – siehe: berieben, beschabt, bestoßen, gestaucht.
bestoßen – bedeutet, daß sowohl das Bezugmaterial wie die Deckelpappen an den Ecken bzw. Kapitalen des Einbands durch unsanfte Behandlung aufgefächert sind; ein geringer Verlust von Bezugmaterial an diesen Stellen ist möglich. Durch Zusammenkleben der Papplagen kann dies einfach stabilisiert werden, bei wertvollen Einbänden träte ein Ergänzen des Leinens oder Leders hinzu.
Bibliographien & Personalbibliographien – Warum bibliographiert man ein Buch, es liegt doch vor einem? Die bibliographischen Angaben bei der Buchbeschreibung dünken dem unbescholtenen Leser wie Fachchinesisch oder schlimmer, wie magische Formeln, gedacht, den potentiellen Käufer zu umgarnen.
Wie aber wollen wir wissen, ob das angebotene Werk vollständig ist – oder im entgegengesetzten Fall, daß dieser Band der einzige ist, der erschien? Wie will man dem Buch entnehmen, ob es sich wirklich um die Erstausgabe – oder noch schwieriger: um die Editio princeps handelt?
Die optimale Bibliographie gibt zu all dem Auskunft, und ihre Einträge beruhen auf Autopsie vorhandener, vollständiger Exemplare. Da kaum eine von Menschen verfaßte Bibliographie alle diese Ansprüche erfüllen kann, benutzt der vorsichtige Antiquar mehrere, notiert eventuelle Widersprüche sowie Ungewißheiten und schließt sich, wenn nicht das vorliegende Exemplar des Werkes Widerstand leistet, der mehrheitlichen Meinung an.
Ich bevorzuge eine gewisse Reihenfolge der Einträge: existiert eine Personalbibliographie zum Autor, nenne ich diese an erster Stelle, darauf folgen die sachbezogenen (Spezial-)Bibliographien, dann die allgemeineren wie z.B. Ebert, Graesse &c.
Ist die Bibliographie nach Nummern geordnet, wie z.B. Mühleisen: Ernst Jünger, wird nur diese angeführt, sonst die Seite oder Spalte, auf welcher der Eintrag zu finden ist. Wiederholen sich die Nummern, wie z.B. in Renouard: Alde, wird erst die Seite, dann die Nummer angeführt. Interessant sind Fälle wie Goedeke, hier hat sich durchgesetzt, ihn nach Band, Seite, Nummer anzuführen, trotz der internen Gliederung in Bücher, Paragraphen, Nummern.
Die → Bibliographien und → Personalbibliographien bilden zusammmen mit einem Grundstock an Sekundärwerken zu Sachgebieten sowie allgemeinen Nachschlagewerken die Handbibliothek des Antiquars.
Blattweiser – nützliche, leider aus der Mode gekommene Methode, Ordnung in ein Buch zu bekommen mittels über den Rand der Blätter geklebter, etwas herausragender Stückchen Pergaments oder Papiers, die entweder die Buchanfänge, Kapitel oder wichtige Stellen markieren.
Blindprägung – ist die Verzierung des Einbandes mittels Stempel-, Platten oder Rollenprägung ohne Farbe oder Gold. Die Wirkung entsteht einzig durch den Druck und die Hitze beim Prägen des etwas angefeuchteten Leders: es verfärbt sich dadurch dunkler, die restliche Wirkung entsteht durch den Lichteinfall. Man findet sie auf Inkunabeln, Drucken des 16. Jahrhunderts und später im 20. Jahrhundert als Stilmittel. Die Goldprägung kam vom Orient über Italien nach Europa und löste die → Blindprägung ab, erfordert jedoch ein besseres, meist auch ein glatteres Leder. Die meisten der blindgeprägten Einbände sind mit Schweinsleder bezogen, auch auf Pergament können gute Effekte erzielt werden. Mit Aufkommen der Dampfmaschine und der mechanischen Einbandprägung konnten auch Leinwandeinbände blindgeprägt werden.
Broschur – Bindungsmethode ohne feste Deckel, also mit solchen aus dünner Pappe oder bedrucktem Karton. Die Lagen (Druckbögen) des Buches mögen fadengeheftet sein oder nur mittels Klebebindung vereinigt. Eine Interimsbroschur ist dazu bestimmt, durch einen festen Einband ersetzt zu werden. Taschenbücher sind → Broschuren.
Buchbinder – im besten Falle ein Kunsthandwerker, der das Beste aus Ihrem Buche macht, indem er es passend zum Inhalt in feines Leder oder Pergament kleidet, stilvoll vergoldet und vielleicht den Kopfschnitt ebenfalls vergoldet.
Wenn Sie sicher gehen wollen, halten Sie sich an Bewährtes, darum hier eine → Liste berühmter Buchbinder, oder schauen Sie sich zur Inspiration einige → schöne Einbände an.
Einen Überblick zu meiner Handbibliothek auf dem Gebiet Bibliographien und Werke zur Einbandkunde finden sie, alphabetisch geordnet, → hier.
Buchdecke – siehe Einbanddecke.
Buchdruck – das in meinen Augen einzige Druckverfahren, das ästhetisch einwandfreie Produkte liefert: es wird von erhaben stehenden, mit der Druckerschwärze eingefärbten Teilen, den Bleilettern oder Holz- bzw. Metallschnitten, gedruckt.
Bücherwurm – besser „Holzwurm“ (Anobium punctatum, pertinax oder paniceum), Schadinsekt, dessen Spuren die Gänge in alten Holzdeckeln und Buchblöcken sind. Bohrmehl kennzeichnet die Hinterlassenschaften eifrigen Fressens.
Der Volksmund bezeichnet eifrige Leser als Bücherwürmer, da sie das Gedruckte zu verschlingen scheinen – dies jedoch zu ihrem geistigen Vorteil.
Buchfluch – Wenig nette Drohung auf dem Vorsatz, in der Vorrede oder im Kolophon an alle diejenigen, die Bücher entwenden, geliehene nicht zurückgeben oder Buchseiten verunstalten: „Wer diese Tafel bricht oder sie ins Wasser legt oder auf ihr herumschabt, bis man sie nicht mehr entziffern und verstehen kann, den mögen Assur, Sin, Shamash, Adad und Ishtar von Bit Kidmurri, die Götter des Himmels und der Erde und die Götter Assyriens mit einem Fluch strafen, der nicht mehr getilgt werden kann, schrecklich und gnadenlos, solange er lebt, und sein Name, seine Nachkommen sollen vom Land hinweggefegt und sein Fleisch den Hunden zum Frass vorgeworfen werden!“ (Aus: W. Hoepfner: „Antike Bibliotheken”). So ließ es bereits Assurbanipal in eine Tontafel drücken. Nicht nur die Antike, auch das christliche Mittelalter war an Buchflüchen reich.
Bünde – am sichtbarsten als erhabene Bünde auf dem Buchrücken; handelt es sich um echte Bünde, ist der Buchblock, sind also die einzelnen Lagen direkt mit dem Heftfaden an diese Bünde geheftet. Der Heftfaden tritt oben oder unten in die Lage ein, in der Höhe des Bundes aus, umfährt ihn und tritt wieder in die Lage ein; dies wiederholt sich für jede Lage so oft, wie Bünde vorhanden sind. Ausnahmen sind Heftmethoden, die zwei Lagen zugleich heften oder Bünde übergehen.
Bei den ältesten europäischen Büchern, Manuscriptcodices und Inkunabeln, wurden die Bünde meist aufwendig in den hölzernen Deckeln verankert, teils mehrmals durch in die Deckel aus Buchenholz gebohrten Löcher gezogen und schließlich mit einem von innen nach außen getriebenen Holznagel befestigt. Später zog man die Bünde ebenfalls mehrfach durch die Pappdeckel, schnitt sie dann aber ab oder fächerte die Hanffäden des Bundes auf, so daß er kaum mehr auftrug. Noch später, im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert wurden sie meist aufgefächert und glattgestrichen zwischen Deckel und Vorsatz verklebt.
Bünde, eingesägte – ihre Vorläufer waren die eingeschlagenen, also eigentlich noch erhabenen, doch nachträglich, um einen glatten Rücken zu erreichen, in den Buchblock gedrückten Bünde. Einsägen bedeutet eine weitere Vereinfachung: die übereinandergelegten Lagen des ungehefteten Buchblockes werden am Rücken glattgestoßen und dort, wo später die Bünde sitzen sollen, eingesägt. Das Heften kann nun relativ einfach durchgeführt werden, ohne daß der Faden, wie bei den echten Bünden notwendig, aus der Lage treten muß, um den Bund zu umschlingen oder den Doppelbund zu umknoten. Die Ritzen sind allerdings beim aufgeschlagenen Buch sichtbar, was durchaus störend wirken mag.
Bünde, unechte – den Potemkinschen Dörfern verwandt, werden verwendet, um den Anschein der echten Bünde zu erwecken, bestehen aber aus Pappstreifen, die auf den Rücken geklebt und mit dem Leder überzogen wurden. Der Buchblock selbst ist dann meist auf eingesägte Bünde geheftet.
Büttenpapier, handgeschöpftes – englisch „laid paper“, im Unterschied zu „wove paper“, welches hier meist Vélinpapier benannt wird, siehe unten. Die chinesische Methode der Papierherstellung von Büttenpapier gelangte Mitte des achten Jahrhunderts nach Samarkand, doch verbreitete sich die Technik nur langsam, im zehnten Jahrhundert bis nach Kairo, um 1100 bis nach Fez in Marokko. Um 1260 begann man, im christlichen Spanien Papier herzustellen; vom maurischen Landesteil gelangte die Fertigkeit nach Italien; doch die erste Papiermühle in Deutschland ist jene von Ulman Stromer 1390 vor den Toren Nürnbergs errichtete.
Durch Wasser angetriebene Räder setzten das Stampfwerk in Gang, in dem die Leinenlumpen mazeriert wurden; die zerkleinerten, in Wasser aufgeschwemmten Fasern wurden schließlich mittels der Bütte, eines flachen Holzrahmens mit einem Drahtsieb, geschöpft, durch Pressen, Gautschen, entwässert und danach getrocknet. Geleimt wurde das Papier meist erst nach dem Bedrucken. Das Wasserzeichen entstand durch ein auf dem Sieb der Bütte angebrachtes Drahtmuster. Um 1700 wurde zuerst in Holland das Stampfwerk durch den „Holländer“, das Stampfen durch Walzen ersetzt. Die Bütte wurde nach 1800 von der Langsiebmaschine abgelöst, deren Papier nicht mehr die typische Struktur des Büttensiebes ausfweist, sondern eher glatt ist.
Darauf folgte, die Vielzahl der Bücher und die gestiegenen Auflagen waren schuld, ein Niedergang durch Erfindung des Holzschliffes und Verwendung säurehaltiger Substanzen; kurzlebiges, sich durch chemische Prozesse bräunendes und in sich zerfallendes Papier waren die Folge.
Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts in England aufgekommende Tradition der Handpressen verwandte wieder das dauerhafte, herkömmliche Hadernpapier; → Morris und → Cobden-Sanderson bezogen ihres von Joseph Batchelor & Son in Kent; die → Bremer Presse verwandte → Van Gelder Bütten, ebenso die → Rupprecht Presse bei einem Teil ihrer Werke.
Der Hintergrund dieser und meiner anderen Seiten unter meyerbuch.com ist ein hellblau eingefärbter Scan des von William Morris verwandten handgeschöpften Batchelor-Büttens.
Chagrinleder – durch Honoré de Balzacs Roman „La Peau de chagrin“ zu Ruhm gekommene Lederart, ohne die Doppeldeutigkeit des Wortes ‚chagrin’. Zumeist entspricht es in seiner Oberflächenstruktur dem Saffian- bzw. Hardgrainleder, ist also fein gekörnt und eignet sich daher besonders für kleine Formate.
Chromolithographie – mehrfarbiger, lithographischer Druck von zahlreichen Steinen, dadurch wird eine sonst kaum zu erreichende Farbtreue erzielt.
Definition antiquarischer Bücher – Stehen nicht auf der Bestsellerliste. Sind nicht in Folie eingeschweißt. Haben mindestens einen ihrer Leser überlebt.
Deus ex machina – Kunde, der nach längerer Trockenperiode des Antiquars bei diesem ein halbwegs wertvolles Buch erwirbt.
Diacritica – oder diakritische Zeichen: kleine Erweiterungen unserer leider arg begrenzten lateinischen Buchstabenvielfalt, um mittels dieser trotzdem fremde Laute oder Zeichen umsetzen zu können, z.B. ï, ñ, û, š.
Doublette – modern auch Dublette: per Schenkung, Zufall oder dergleichen in eine Bibliothek gelangtes Zweitexemplar eines Druckwerkes. Wird meist ausgesondert und mit den bibliotheksnotwendigen Stempeln samt Doublettenvermerk in den antiquarischen Buchkreislauf zurückgebracht.
Druckermarke – siehe Signet.
Duodecimo – 12°, 12mo, Duodez, hier finden sich 24 Druckseiten vereint, der Bogen wird zerschnitten in einen größeren Teil, der einem Oktav entspricht und ebenso gefaltet und einen kleineren, der diesem eingelegt wird, dies beides ergibt die Lage. Die Laufrichtung liegt quer zu Höhe des Buches. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe bis 15 cm.
Editio princeps – der Text erblickt zum ersten Male in gedruckter Form das Licht der Welt. Der Begriff → Editio princeps hat durchaus etwas Feierliches, besonders bei den Ausgaben antiker Klassiker, deren Texte lange Zeit verderbt oder sogar verschollen waren: ein Stück unseres menschlichen Wissens ist wiederentdeckt.
Einbanddecke – Wärend früher, und teils noch heute, wertvolle Handeinbände auf echte Bünde geheftet und diese durch die Deckel gezogen wurden, so daß die beiden Deckel fest mit dem Buchblock verbunden waren, und das Ganze eingeledert werden konnte, rührt die Idee der Buchdecke von den Pergamenteinbänden, deren Umhüllung in einem Stück gefertigt wurde. Man zog die ebenfalls pergamentenen Bünde durch an den Rückengelenken befindliche schmale Ritzen nach außen und durch ebensolche daneben eingeschnittene wieder nach innen.
Die moderne Decke greift dies Prinzip auf; sie besteht aus den beiden Buchdeckeln und dem Rückenteil, verbunden mittels des Überzugstoffes, ist jedoch nur noch durch die Vorsätze sowie die Hinterklebung aus Gaze mit dem Buchblock verbunden. Sind diese zu dünn oder zu weich, sinkt der Buchblock innerhalb den Einbandes nach unten, bis er mit seiner Unterkante auf das Regalbrett trifft. In den Rücken eingefügte Hülsen aus Papier sollten dem entgegenwirken und die Konstruktion festigen, bewirken aber meist, da schlecht angepaßt, eher Schaden, indem ihre Gelenke sich anderswo befinden als die der Buchdecke, was in der Folge den Rücken verformt.
Errata – meist schamhaft ans Buchende verfrachtetes Blatt mit dem Eingeständnis zahlreicher Satzfehler.
Erste Ausgabe – der Begriff ist etwas weiter gefaßt als „Editio princeps“ und mag auch die → Erstausgabe in einer Sprache, also die Erstveröffentlichung einer Übersetzung, oder die erste Ausgabe einer wesentlichen Textbearbeitung oder -zusammenstellung beinhalten. Siehe auch Auflage und Numberline.
Wie stelle ich fest, daß es sich bei einem vorliegenden Werk um dessen Erstausgabe handelt? Schließen wir zuerst die Angaben im Buch selbst, die auf Gegenteiliges hindeuten könnten, wie z.B. „Zweite Auflage“, „Zweiter Druck“, „Stereotypdruck“ und dergleichen, aus, dann bleiben das Erscheinungsdatum auf dem Titel, dessen Verso mit einem datierten Copyright-Vermerk oder vielleicht ein hinten mit der Nennung des Druckers erwähntes Jahr. Dieses sowie die Anzahl der Seiten können die ersten Anhaltspunkte liefern, wenn nun eine Personalbibliographie und/oder eine allgemeine Bibliographie befragt werden, wobei der Vorzug immer den neuesten, besten Auflagen dieser Nachschlagewerke zu geben ist. Alle Details des Buches sollten mit den Angaben der Bibliographie übereinstimmen (Fehler in der Bibliographie, z.B. bei Wilpert/Gühring, beweisen als Ausnahmen die Regel).
Handelt es sich um ein modernes Buch mit Schutzumschlag, wird es etwas schwieriger, denn bisweilen wanderten Restauflagen weiter zum nächsten Verlag, der sparsam nur einen Schutzumschlag herumlegte oder austauschte, statt auch das Titelblatt. → Madsack: „Der schwarze Magier“ ist dafür ein Beispiel: der einzige, mir bekannte Umschlag stammt vom späteren Verleger Georg Müller, nicht von Holzwarth, der Buchblock selbst ist unverändert, verschiedenfarbene Varianten des Vorsatzpapiers existieren, scheinen aber nicht auf den Verlagswechsel zu deuten.
Leider berücksichtigen deutschsprachige Bibliographien die Schutzumschläge zu wenig. Ein späterer Zustand kann z.B. vorliegen, wenn eine Bauchbinde auf erhaltene Preise verweist, die Umschlagklappe auf Rezensionen oder nach dem Buch erschienene andere Werke des Autors. Das Begutachten des Schutzumschlages ist wichtig, denn so können unangenehme ‚Hochzeiten’ aus Erstausgabe des Buches mit (besser erhaltenem) späterem Umschlag aufgedeckt werden.
Eselsohr – offenkundiger Mangel an Lesezeichen; englisch dog-ear, auch bei unseren Nachbarn sind die Tiere schuld.
Exlibris – meist auf den Spiegel, seltener auf ein fliegendes Vorsatzblatt montierter Besitzvermerk („aus den Büchern von ...“) mit dem Namen oder Wappen des Besitzers, dann Wappenexlibris. Im neunzehnten und besonders im zwanzigsten Jahrhundert lassen sich schöne, künstlerisch gestaltete → Exlibris finden, die allein deshalb des Sammelns würdig sind. Siehe auch → Provenienzen.
Faksimile – asymptotische Annäherung per Material und Druck an ein Original, ohne dessen Zustand je ganz zu erreichen. Meist ersetzen Lichtdruck oder feinkörniger Offsetdruck Tinte und Tusche, Gold und Verzierungen, ausgesuchtes Papier das Pergament. Zweck eines → Faksimiles ist es, das ursprüngliche, meist einzigartige Werk breiteren Schichten zugänglich zu machen.
Ein Sonderfall sind ‚type-facsimiles’, bei denen auf möglichst gutem Papier der Satz des Originals in fast identischer Type zeilengetreu nachgesetzt wird. Original und Faksimile verwenden hierbei dasselbe Verfahren, den Buchdruck.
Falz – vieles wird Falz benannt, meist ist aber der innerste Teil des Blattes gemeint, dort, wo es gefaltet, gefalzt wurde, zum Beispiel mit dem Falzbein. Den Einband betreffend ist es angemessener von Gelenk zu sprechen.
Fleural – nicht ‚floral’, da die Sprache der Einbandbeschreibung zum Teil aus Frankreich rührt, das im 16. Jahrhundert Italien als Reich der Bibliophilie wie Einbandkunst ablöste. Unter → fleuraler Vergoldung wird alles zusammengefaßt, was Blättern oder Blüten ähnlich sieht, Stilisierung ausgenommen.
‚Blattwerk’ besteht hingegen nur aus einem Blattmotiv und kommt ebenso wie ‚Rautengerank’, die häufige ‚Kranzrolle’ oder der ‚Laubstab’ meist auf deutschen blindgeprägten Einbänden des 16. Jahrhunderts vor.
Die ‚Maureske’ ebenso wie das meiste ‚Bandwerk’ können ihre islamische Beeinflussung nicht verbergen, sind also den regen Handelsbeziehungen vor allem Venedigs mit dem Orient zu verdanken.
Folio – 2°, das einmal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papieres. Zu einer Lage wurden meist mehrere der Blätter ineinandergelegt. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe von 35-45 cm oder mehr, dann Großfolio, Elephantenfolio und ähnlich benannt.
Formate – siehe unter Folio, Quarto, Octavo, Duodecimo, Sedecimo.
Fraktur – eine der gebrochenen Schriften, zu denen auch Textur und Schwabacher gehören. Ihre kalligraphiſche Vorlage wurde wohl von Vinzenz Rockner, einem Sekretär von Maximilian I., oder Leonhard Wagner entwickelt; die erſten Drucke in ihr ſtammen vom Augsburger Buchdrucker Hans Schönſperger: Diurnale 1514, Theuerdank 1517. Weſentlich zu ihrer Entwicklung beigetragen haben im 18. Jahrhundert Johann Gottlob Immanuel Breitkopf (1719-1794) und Johann Friedrich Gottlieb Unger (1753-1804). Die Typen zeichnen ſich durch Verwendung des langen ſ – nicht zu verwechſeln mit dem kleinen f – und von Ligaturen aus.
Als ich ſtudierte, war ich Mitglied der Wiſſenſchaftlichen Buchgeſellſchaft und habe das kleine, warnende ‚F’ für Fraktur in deren Katalogen eigentlich für überflüſſig angeſehen. Dieſe Haltung nehme ich auch heute noch ein: ich weiſe in meinen Titelaufnahmen nicht auf Schrifttypen hin, es ſei denn, ſie ſind beſonders ſchön. Kollegen, die mit Floſkeln wie „alte deutſche Schrift“ und ähnlichem hauſieren gehen, ſind abſchreckend – und ſelbſt die Ausſage iſt falſch, denn in ganz Europa wurden gebrochene Schriften geſchnitten und verwandt.
Langſam, u.a. durch die Möglichkeiten von CSS3, wird auch das Internetz ſich der überlieferten Schriftenvielfalt zuwenden. Wenngleich hier keine rechte Seitengeſtaltung wie im gedruckten Buch betrieben werden kann, iſt dies eine erfreuliche Entwicklung.
Frontispiz – gestochene → Zierseite am Buchanfang vor dem Titel, meist diesem gegenüber. Auch andere Druckverfahren als Stich oder Radierung kommen vor.
Gebrauchspuren – euphemistische Bezeichnung für die Spuren, die mindestens ein abnutzender Buchbenutzer, in Neusprech „Verbraucher“, in diesem hinterlassen hat. Das mögen im Einzelnen sein: kleinere Flecken von Stärkungsmitteln wie Kaffee, Tee, Wein oder Kuchen, sodann Fingerspuren an den Blatträndern oder weißen Stegen, und dergleichen. Besitzeinträge, Anstreichungen, Marginalien und Annotationen vermerke ich meist gesondert.
gestaucht – die Einbandecken sind so gestoßen worden, daß sie etwas breiter und eventuell faltig geworden sind; kein Verlust an Bezugmaterial.
Goldschnitt – die mit dem Schneidehobel oder einer moderneren Vorrichtung begradigte Kante eines Buchblockes wird mit Blattgold (heutzutage auch mit Goldfarbe) versehen und poliert. Ein Kopfgoldschnitt, also jener am oberen Ende, schützt die Buchlagen vor dem Eindringen von Staub. Sind alle Kanten vergoldet, spricht man von Goldschnitt oder Ganzgoldschnitt (englisch: a.e.g., all edges gilt). Der Goldschnitt kann auch nach dem Marmorieren des Schnittes aufgetragen werden, dann kommt der Marmoreffekt erst beim Aufschlagen des Buches zum Vorschein. Gleiches gilt für ein Fore-Edge-Painting.
Graphische Techniken – siehe Holzschnitt, Kupferstich, Lithographie.
Handbibliothek – Versuch, die Kunden von der Gelehrsamkeit und Fachkompetenz des Antiquars zu überzeugen. Besteht aus den → Bibliographien (s.d.), → Personalbibliographien und einem Fundus an allgemeinen wie speziellen Nachschlagewerken. Selbstverständlich sind auch hierin manche Kunden im Vorteil, da sie zu ihrem Sammelgebiet eine reichhaltige Fachbibliothek besitzen, während der nicht so spezialisierte Antiquar eher bemüht ist, sich einen Überblick zu gewährleisten.
Es ist immer schön, in ein neues Gebiet einzutauchen und die entsprechenden Werke in eine mühsam geschaffene Regallücke einzuordnen.
Heftlade
– vereinfacht den Vorgang des Heftens per Hand, indem
zwischen einem Brett und einer schmalen Leiste die Bünde
gespannt werden. Sie erscheint in der heute noch
gebräuchlichen Form bereits auf Abbildungen des 16.
Jahrhunderts und dürfte noch älteren Ursprungs sein.
Brett und Leiste sind mittels zweier senkrechter Spindeln verbunden,
und die Heftbünde werden durch Aufwärtsdrehen der
beiden hölzernen Muttern gleichmäßig
gespannt. Geheftet wird ein Buch von seiner letzten bis zur ersten
Lage, jede wird angelegt, der Heftfaden an einem Ende im Falz von
außen nach innen geführt, am Bund heraus, diesen
umschlingend wieder hinein und so weiter, bis er am anderen Ende im
Lagenfalz heraustritt und in die nächste
überführt werden kann.
Die Abbildung ist aus Cockerell: “Bookbinding and the Care of Books”.
Holzschnitt – ist ein Reliefschnitt, der druckende, erhabene, also vom Schneidemesser oder Stichel ausgesparte Teil des Langholzes wird eingefärbt. Da der Buchdruck ebenfalls ein Hochdruckverfahren ist, kann der Holzblock dem Schriftbild einfach eingepaßt werden und die Seite in einem Vorgang gedruckt. Detailreicher ist der im 18. Jahrhundert entstandene Holzstich, der Stirnholz verwendet, das wesentlich härter als das Langholz ist, dadurch feinere Linien und höhere Auflagen zuläßt. Der → Holzschnitt ist die älteste der graphischen Techniken, künstlerische Drucke auf Papier lassen sich im europäischen Raum ab etwa 1400 nachweisen, aber bereits die Babylonier preßten Holzstempel in Ton.
nitiale
– leitet den Text ein und ist in den Handschriften nicht nur
größer als die Brotschrift und in einer anderen
Farbe, meist rot oder blau, sondern teils ornamentiert und vergoldet
sowie im weißen Rand mit Rankenwerk verziert; in den
frühen Drucken ist als → Initiale
meist ein kleiner Holzschnitt
verwandt, der durchaus figürliche Darstellungen enthalten und
künstlerischen Rang besitzen mag.
Japanpapier – wird mittels Weichen und Schlagen aus dem Bast der Papiermaulbeerbaumrinde hergestellt; eine gleichmäßige Verteilung erzielt man durch Fasersuspension mittels Pflanzenschleim der Wurzel von Abelschoschus manihot. Das fertige Produkt zeichnet aus sich durch seidigmatten Glanz sowie lange Fasern, die ihm eine ungewöhnliche Reißfestigkeit schenken.
In Europa wurde und wird → Japanpapier für limitierte, bibliophile Ausgaben verwandt; die Druckerschwärze lagert unvergleichlich auf seiner Oberflache, nur noch durch Pergament zu übertreffen.
Kapitale, handgestochene – kommen nur bei handgebundenen Büchern vor. Mit einem oder mehreren farbigen Seidenfäden werden ein oder mehrere runde Schnüre oder flache Streifen, z.B. Pergaments, umstochen, wobei sich am Schnitt des Buches kleine Knötchen ergeben.
Das
→ handgestochene
Kapital kann
spiegelsymmetrisch zu seiner Mitte gestaltet sein. Die
Methoden des Umstechens sind zahlreich. Bei Handschriften und
Inkunabeln mag das Kapital direkt um einen Bund gestochen sein, der
dann wie die anderen Bünde in den beiden Buchdeckeln verankert
worden ist.
Kassette – oder Buchkassette, siehe unter Schuber.
Katalog – mehr oder wenige regelmäßig erscheinende Zusammenstellung von Beschreibungen und bisweilen auch Abbildungen von mehr oder weniger vielen Büchern, die altertümlich per Post versandt wird – und daher mit dem Eintreffen beim Kunden fast immer überholt ist, da die durch Titelaufnehmen, Gestalten, Drucken, Binden und endliches Versenden entstandene Vorlaufzeit durchaus einige Wochen betragen mag. Der Kunde sollte einkalkulieren, daß er bei einem gedruckten Katalog den Aufwand der Druckerei und der Buchbinderei mitbezahlen darf.
Meine → Listen werden als Serienbrief auf einem Laserdrucker hier bei mir doppelseitig ausgedruckt, die Kosten fallen daher nicht ins Gewicht; zugleich erscheinen sie als Angebot auf meiner Seite. Die Herstellung sowohl meiner ausgedruckten wie der ins Netz gestellten Versionen ist durch Formatvorlagen und Makros (kleine Programme) automatisiert, so daß kein nennenswerter Vorlauf aufkommt.
Jedoch kann das Sammeln alter Kataloge großes Vergnügen bereiten, indem man erfährt, was die Bibliophilen und Buchabhängigen früherer Tage bei sich im Hause stehen hatten, meist Werke, von denen man heute nur noch träumen kann – aber dies Träumen ist ein Teil der Sammellust: wenn ich nicht ahnte, was alles noch auf mich wartet, wohin sollte sich dann mein bibliophiles Leben ausrichten?
Kollation – kollationieren; der Bibliothekar ebenso wie der Antiquar sollte jedes erhaltene Buch auf seine Vollständigkeit prüfen, indem er es Blatt für Blatt durchsieht. Dabei ergibt sich im allgemeinen, daß ein Buch aus ungezählten, also nicht numerierten, sowie gezählten, also numerierten Seiten bzw. Blättern besteht, dies wird notiert und der Buchbeschreibung beigefügt. Ich notiere ungezählte, also nicht mit einer Paginierung versehene Seiten beziehungsweise nicht mit einer Foliierung versehene Blätter in eckigen Klammern.
Bei alten Drucken, bisweilen sogar bei Pressendrucken notiere ich auch die Lagensignaturen, was etwas kryptisch wie Geheimsprache ausschaut, aber durchaus Sinn ergibt, denn die Buchdrucker und Binder jener Zeit dachten in Lagen. Siehe Lagensignaturen.
Kolophon – die → Schlußschrift mit Nennung von Schreib- bzw. Druckort und -zeit sowie dem Namen des Schreibers bzw. Druckers oder Verlegers. In Handschriften und Inkunabeln bisweilen mit religiösen Floskeln versehen, in Drucken mit dem holzgeschnittenen Signet des Druckers bzw. Verlegers; hier findet sich dann zum Beispiel der berühmte Aldus-Anker mit dem Delphin, der schon den Titel ziert, wiederholt oder ist eine der schönen, reich ornamentierten Druckermarken William Morris’ eingedruckt.
Konvolut – aus dem Latein, ‚convolutum’, i.e. zusammengerollt, (Buch-)Menge disparaten Zeugs, das mittels eines angenehm klingenden Etiketts zusammengehalten wird, bei Auktionatoren beliebt. Erinnert mich an gewisse Bananenkisten, deren oberste Schicht aus ein paar brauchbaren Büchern besteht, darunter Makulatur, s.d.
Kupferstich – ein Tiefdruckverfahren, das wohl erstmals um 1430 angewandt wurde, aus dem Waffen- und Goldschmiedehandwerk stammt und vom Buchdruck unabhängig blieb, da die Kupferillustration im Buchhochdruck des Textes entweder einen zweiten Druckvorgang oder das Einkleben der fertigen Kupfer erfordert. Die Zeichnung wird seitenverkehrt direkt in die geglättete Kupferplatte eingegraben oder in die mit dem Ätzgrund, einer Mischung aus Wachs, Harz, Asphalt und Mastix, überzogene Platte geritzt, dann geätzt. Die Druckfarbe wird in die vertieften, druckenden Rillen eingerieben, überflüssige abgewischt.
Kustode – nennt man die vorwegnehmende Wiederholung des ersten Wortes oder des Wortanfangs der nächsten Seite unter dem Textschluß der diesem vorangehenden Spalte. In der Handschriftenzeit, hier Reklamante genannt, ergab dies ein eindeutiges System, die Reihenfolge der losen Blätter festzulegen. In den gedruckten Büchern wurde dieser Brauch lange Zeit, bis ins späte 18. Jahrhundert, beibehalten.
Lagensignaturen – Bei jedem Buch, das aus mehreren Druckbögen, die beim Vorgang des Heftens und im fertigen Buch „Lagen“ genannt werden, besteht, ergibt sich die Schwierigkeit, diese in der intendierten Reihenfolge weiterzuverarbeiten. Dazu dienten in der Handschriftenzeit neben den Lagensignaturen auf jeweils dem ersten Blatt recto unten jeder Lage zum Beispiel auch die Kustoden. Beim gedruckten Werk haben sich bis in die Neuzeit die Lagensignaturen erhalten, die dem Buchbinder, der, bindet er von Hand, in Europa von hinten nach vorn arbeitet, übermitteln, welche Lage er als nächste in der Heftlade anlegen und verarbeiten muß. Man benutzte zu diesem Zweck vornehmlich das lateinische Alphabet, bei griechischen Werken auch das griechische, genügte dies nicht, folgten den Großbuchstaben kleine, diesen verdoppelte, Zusammenstellungen aus Majuskeln und Minuskeln und so fort. Soweit es Bücher des 15. und 16. Jahrhunderts betrifft, sollte beachtet werden, daß dem hierzu verwandten Alphabet aus sprachhistorischen Gründen die Lagensignatur „j“ fehlt, und „u, v, w“ entweder zu „u“ oder „v“ zusammengefaßt sind, so daß ein komplettes Lagensignaturenalphabet insgesamt 23 lateinische Buchstaben umfaßt.
Das zweite Blatt zum Beispiel der Lage „a“ erhielt recto unten die Signatur „a ii“ und so weiter bis zur Lagenmitte. Vorreden, Indices und ähnliches wurden, auch wegen des versetzten Zeitpunktes ihres Druckes, meist separat geordnet und ihre Lagen mit anderen Zeichen versehen, zum Beispiel „&“, „*“, „â“ und dergleichen.
Auch die Pressendrucke haben dieses Ordnungssystem meist beibehalten.
Bei modernen Büchern, die von Maschinen geheftet und gebunden werden, verwendet man bisweilen kurze schwarze Rückenstreifen, die von oben nach unten wandern und im fertigen, gebundenen Buchzustand nicht mehr sichtbar sind. Siehe auch Kollation.
Leder – neben → Pergament die schönste Bekleidung für das Buch. Die Palette reicht vom schlichten, blindgeprägten alaungegerbten → Schweinsleder über Holz-, später Pappdeckeln bis zum reichvergoldeten Einband aus → Maroquin, also Ziegenleder. Beliebt auch das naturbelassene, marmorierte oder gesprenkelte → Kalbleder, das gern für Halbeinbände benutzt wird, bei denen nur der Rücken und eventuell die Ecken eingeledert werden, die Deckel mit Papier oder Marmorpapier bezogen. Schafleder wurde zeitweise → maroquiniert und mag dann dem Maroquin täuschend ähnlich aussehen, ist aber weicher und nicht ebenso haltbar.
Lichtdruck
– Phototypie, Collotypie, Albertotypie, Druckverfahren
für
relativ kleine Auflagen zwischen 1000 bis 2000 Exemplaren. Auf eine
dicke, mattgeätzte Glasplatte wird in zwei Lagen eine Emulsion
aus
lichtempfindlicher Chromatgelatine gebracht und getrocknet. Diese wird
mittels eines Halbton-Negativs belichtet, wodurch die in der Gelatine
enthaltenen Chromatsalze die Wasserlöslichkeit der Gelatine
verändern. Die Chromatsalze werden ausgewaschen, es entsteht
ein
rasterloses Gelatinerelief mit dem charakteristischen
„Runzelkorn“, das auch das Druckergebnis des → Lichtdruckes
kennzeichnet. Mehrfarbendruck von mehreren solcher Platten.
Ligatur – typographisch gewolltes Zusammenwachsen zweier oder mehrerer Buchstaben. Unser ß ist z.B. aus ſ und s entstanden, das & aus e und t, æ aus a und e.
Limitierte Auflage – bedeutet, daß die Menge der gedruckten Exemplare beschränkt wurde, meist werden die einzelnen Bücher dann entweder in der Presse oder nachträglich per Hand mit einer Nummer versehen.
Gliedert sich die limitierte Auflage in besonders ausgestattete Teilmengen, spricht man von Vorzugsausgabe (A) oder (B). Kriterien dafür können sein: Exemplare auf Pergament, Japanpapier, besonderem Bütten, zusätzliche Graphikfolgen, zusätzliche Kolorierung von Illustrationen und dergleichen.
Zu unterscheiden vom „getrüffelten“ Exemplar, dem nachträglich von einem Besitzer oder vom Verleger Graphiken, Autographen etc. hinzugefügt wurden.
Lithographie – ein Flachdruckverfahren, das auf der Abstoßung von Wasser und Fett beruht und 1798 von Alois Senefelder entdeckt wurde. Bei der → Lithographie wird die Zeichnung mittels einer fetthaltigen Substanz auf den geglätteten und vorbereiteten Kalkstein übertragen: mit einer Feder, Kreide oder einem Pinsel. Dann wird der Stein mit Talk überwischt und die Ätze aus Gummi arabicum und Salpetersäure aufgetragen, nach dem Auswaschen der Zeichenfarbe mittels Terpentin oder Öl bleibt der Fettgrund, der die Farbe aufnimmt. Die Papierlithographie verwendet Umdruckpapier zum Übertragen der Zeichnung und vermeidet dadurch die Seitenvertauschung.
Makulatur – aus dem Latein, ‚macula’, i.e. Fleck, ist 1) ein verdruckter Bogen, 2) ein beschädigtes Buch, 3) ein obsoletes Buch. Über Nr. 3 darf man geteilter Meinung sein, eigentlich kann nichts, was ein Mensch je dachte, überholt sein, aber Moden bestimmen bisweilen auch hier.
4) und am wichtigsten: ein als Rückenhinterklebung verwandtes oder in die Innenseite des Buchdeckels gepapptes Stück einer alten Handschrift oder eines alten Buches. Im 16. Jahrhundert, als statt der hölzernen Buchdeckel solche aus Pappe aufkamen, wurden diese u.a. mittels Aufeinanderleimen bedruckter Papierstücke hergestellt. Meist handelt es sich leider um juristische Texte, die bereits wenige Jahre nach Schreiben als langweilend empfunden wurden, sehr selten um Fragmente des Nibelungenliedes oder ähnliche Rarissima.
Marginalien – können gedruckt oder handgeschrieben sein. Im ersten Falle sind sie in meist kleinerer oder kursiver Type auf den Außensteg gedruckt, im zweiten von einem Leser hinzugefügt.
Marmorpapier – eine Form des Buntpapieres; die verschiedenen Sorten bezeichne ich meist mit den bei Einen Miura: The Art of Marbled Paper; London: Zaehnsdorf Ltd, 1989, gegebenen Namen.
Maroquin – siehe Ziegenleder.
Modernes Antiquariat – Euphemismus für das Verramschen eben noch preisgebundener Bücher. Ausnahme: Auflagen, die speziell für das moderne Antiquariat, meist dort wo es billig ist, gedruckt worden sind.
Numberline – Zahlenreihe unter dem Druckvermerk, meist auf dem Titelverso unten zu finden. Sie gibt an, um den wievielten unveränderten Druck dieser Ausgabe es sich handelt, indem bei jedem Neudruck jeweils eine Zahl sowie das ihr entsprechende Jahresdatum abgestrichen werden.
Eine vollständige → Zahlenreihe von 1 bis n, zu der die entsprechenden, meist zweistelligen Jahreszahlen treten können, ist dann Indiz für den ersten Druck dieser bzw. den – besonders wertvollen – der ersten Auflage.
Octavo – 8°, 8vo, das dreimal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papierbogens ergibt eine Lage, daher ist seine Laufrichtung parallel zu Höhe des Buches. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe von 15-25 cm.
Original – Das Präfix „Original“ bezeichnet in der Regel den vom Verleger beziehungsweise dessen Buchbinder um den Buchblock gebundenen Einband, also einen Verlagseinband. In der Neuzeit tritt der Schutzumschlag, der meist, bisweilen sogar künstlerisch, illustriert ist, hinzu.
Paginierung – ist ein beliebtes Mittel, den Leser durch unschön auf der Seite angebrachte Ziffern, die nichts mit dem Text zu tun haben, zu verwirren; sie dient bloß dazu, einen Index halbwegs sinnvoll zu handhaben, und dem Gelehrten, Zitate seitengenau einer Position im Werk zuzuordnen. Vorläufer der Seitenzählung ist die Blattzählung, bei der jeweils nur die Vorderseite des Blattes eine fortlaufende Ziffer erhält; frühe Handschriften sind teils garnicht foliiert oder paginiert, man trug den Inhalt wohl eher mit sich im Kopf als wir heutigen Vielleser. In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, wieviel selbst noch Erasmus aus dem Gedächtnis zu zitieren vermochte – ohne Register, Stellenverweise und Google.
Noch heute wird z.B. Platon nach der Paginierung der Estienne-Ausgabe von 1578 (Renouard 145,1) zitiert; da es sich bei dieser um ein Folio handelt, wäre das Auffinden der Textstelle etwas langwierig, also wurde die Seite in der Mitte der beiden Spalten nochmals unterteilt mittels der Buchstaben A-E.
Papier – siehe Büttenpapier.
Perlschrift
– zierliche, doch gut lesbare gotische Schrift, gothica
textualis. Die → Perlbibeln
wurden zwischen
1230-1300 in Paris geschrieben. Zunächst nur mit
Spaltenüberschriften sowie abstrakten
oder pflanzlichen Formen nachempfundenen Zierinitialen versehen, traten
später Tiere oder Grotesken hinzu. Der Text ist zweispaltig
auf hauchdünnes Pergament geschrieben und umfaßt das
Alte wie das Neue Testament, zumeist mit einigen Textvarianten zur
Vulgata.
Pergament – unterscheidet sich vom Papier wie vom Leder: seine Fasern sind miteinander verleimt, und es wird ohne Gerbung hergestellt. Sein Name geht auf den Ort Pergamon zurück, zu dem seine Herstellung im zweiten Jahrhundert v.u.Z. verbessert wurde. Zuerst als Rolle aus miteinander verbundenen Streifen, dann ab dem vierten Jahrhundert als Codex in der heute noch üblichen Buchform diente es für Jahrhunderte als äußerst stabiler, nur gegen Trockenheit und Hitze empfindlicher Stoff bis zum Aufkommen des Papiers als Speicher für Texte. Es ist hygroskopisch und neigt dazu, wellig zu werden; deshalb versieht man auf Pergament geschriebene oder gedruckte Bücher gern mit festen Deckeln und Schließen.
Es wird aus den Häuten von Lämmern bzw. Kälbern, Schafen oder Ziegen hergestellt durch Enthaaren, Äschern in Kalk, was zur Verseifung des enthaltenen Naturfettes führt, dann durch Spannen und Schaben, um es als Beschreibstoff zu glätten, so daß die Feder darauf schreiben kann. Im Westen rieb man das → Pergament mit Bimsstein und Kreide, um eine samtige, matte Oberfläche zu erzielen.
Das auf Pergament erzielte Druckbild ist unvergleichlich klarer und prägnanter als das auf Papier, nur jenes auf sehr gutem Japanpapier kommt dem fast gleich.
Privatdruck – Vermeidung des Umweges, einen Verleger zu konsultieren, der evtl. keine Lust hat, das Buch zu veröffentlichen oder unnötig daran herumkrittelt. → Privatdrucke erscheinen meist in kleiner Auflage, sind dementsprechend selten und teils bibliographisch von besonderem Interesse, da durchaus Abweichungen innerhalb der gedruckten Auflage vorkommen können, wie z.B. beigegebene Illustrationen, Textveränderungen u.s.w.
Provenienz – der → Vorbesitz, ersichtlich durch handschriftlichen Eintrag, Initialen auf dem Bucheinband, → Exlibris, → Supralibros, → Widmung und dergleichen. Je exquisiter die → Provenienz, desto größer die Freude.
Pseudonym – Nicht, daß der Verfasser des Werkes der genannte sei, sondern, Rimbaud folgend, ist er ein → anderer.
Eine besondere Form des Pseudonyms beruht auf dem Anagramm, siehe dieses.
Quarto – 4°, 4to, das zweimal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papierbogens ergibt eine Lage, daher ist seine Laufrichtung quer zu Höhe des Buches. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe von 25-35 cm.
Rara – vulgo: → Seltenheiten. Dasjenige, das man ein Leben lang suchen kann und nicht finden, bzw. dasjenige, das man, wenn endlich gefunden, nicht bezahlen kann. – Manch ein seltenstes Buch oder → Unikat, das ich anbiete, könnte vielleicht bezahlbar sein.
Raster
– Druckraster, Verfahren Grautöne und
Farbabstufungen, die mittels des Druckes mit einer begrenzten
Farbanzahl (meist Vierfarbdruck) nicht dargestellt werden
können, durch sehr kleine, nebeneinander liegende Punkte
einzelner Druckfarben zu erzielen (subtraktive Farbmischung). Das
bloße Auge vermag die Rasterpunkte nur bei grober Rasterung,
wie z.B. früher im Zeitungsdruck üblich, zu erkennen,
für Kunstbildbände sind 60-80 pro Zentimeter
üblich. Grautöne werden durch
größere und kleine Punkte oder durch verschiedene
Abstände zwischen diesen erzielt.
Raubdruck – Hilfsmittel zur Verbreitung eines Textes unter Umgehung der Rechte des Autors (in früheren Zeiten waren es seiner Rechte sehr wenige) und mit Ersparnis der Mühen des Ursprungsverlages, die dieser für Erstellen einer korrekten Edition, Lektorat etc aufwand.
Bereits im 16. Jahrhundert befleißigte man sich z.B. in Lyon, die guten Aldus-Ausgaben nachzudrucken; Urheberrecht oder Copyright gab es damals noch nicht, das venezianische Privileg war nur soviel wert, wie die venezianische Herrschaft reichte.
Rauschel – oder Rauschelgold, eigentlich kein Gold, sondern Ersatz, so wie Zichorienkaffee für echten Kaffee, wahrscheinlich eine bronzeähnliche Legierung, eventuell mit Goldanteil, die wie Gold zu hauchdünnen Blättern geschlagen wurde und statt des wesentlich teureren Blattgoldes verwandt. Es oxydiert in Gegensatz zu echter Vergoldung, wurde jedoch bereits im Deutschland des 16. Jahrhunderts verwandt, so zum Beispiel Rabenau: „Deutsche Bucheinbände der Renaissance um Jacob Krause“ Abbildung 7, ein Einband von Barthel Gerngroß.
Recto – die vordere Seite des Blattes, abgekürzt ‚r’. Siehe verso.
Reglieren
– Mittel, das gedruckte Buch handschriftenähnlicher
zu gestalten: die Satzspalte ist wie bei einigen Manuskripten von
dünnen Linien aus meist roter Tusche
umgeben (englisch: ruled in red [or brown] [ink]), die bis an den
äußersten Rand der
weißen Stege, also bis an die
Blattränder, verlängert sind. Die Reglierung bietet
Möglichkeiten für Hervorhebungen, z.B. der
Spaltenüberschriften.
Da dies wie in der Handschriftenzeit per Lineal, Feder und Tusche bzw. Tinte geschah, dürfen kraft der aufgewandten Mühe → reglierte Exemplare eines Druckwerkes zurecht als besonders wertvoll erachtet werden.
Remboîtage – Wiedereinhängen in die alte Einbanddecke des Buches oder in eine andere, gleichgroße der Zeit. Im ersten Falle erlaubtes Mittel des Restaurierens, im zweiten verfälschend.
Sammeln – symbiotische Beziehung zwischen einem Menschen, dem Sammler, und den Objekten seiner Lüste, dem Gesammelten. Meist das Ergebnis jahrelanger, gegenseitiger Anstrengungen: des Sammlers, genügend Geld für weitere Sammelobjekte und Wissen, sie annähernd zu verstehen, aufzutreiben; des Gesammelten, den Sammler zu immer intensiverer Beschäftigung mit sich zu verführen.
Schließe
–
Mittel,
die Spannung des Lesers zu erhöhen, ehe er
endlich dem Text gegenübertreten darf. Erfüllt auch
praktische Zwecke: den Buchblock durch das Zusammenhalten der Deckel
vor dem Eindringen von Staub und überhaupt vor
Beschädigungen zu schützen, beziehungsweise die gegen
Schwankungen der Luftfeuchtigkeit empfindlichen
Pergamentblätter
plan zu halten.
Die → Schließen früher Drucke sind meist Gußstücke aus Messing: ein am Hinterdeckel mittels eines Lederstreifens beweglich angebrachter Haken wird in eine auf dem Vorderdeckel befestigte Öse gehängt; das Material des Streifens entspricht meist dem Bezugsleder, der Reißsicherheit wegen wurde er mit anderem Leder, besser mit Pergament hinterlegt, am hölzernen Deckel wird er durch kurze Nägel sowie ein dünnes, schmales Messingblech gehalten.
Mit dem Aufkommen der Pappdeckel ersetzte der Buchbinder die Metallschließen durch Bindebände aus weichem Leder, die einfach von außen durch die Deckel gezogen sind und unter dem festen Vorsatz verklebt; auch Leinen- oder Seidenbänder waren gebräuchlich, wobei sich herausstellt, daß verschiedenfarbige Stoffe die Zeiten mehr oder weniger gut überstehen, wohl der verwandten Färbemittel wegen.
Sonderformen sind die ziseliert und durchbrochen gearbeiteten Silberschließen von Gebetbüchern, modernere Schließen aus geflochtenen Pergamentstreifen, oder einfach Schließbänder aus farbiger Seide, wie zum Beispiel bei den Pergamenteinbänden der → Kelmscott Press.
Schnitt – sofern die Büttenränder nicht belassen werden, wird der Buchblock mit dem Schneidemesser oder einer ähnlichen Vorrichtung oben, vorn und unten beschnitten. Bisweilen wird nur oben auf solche Weise begradigt, der → Kopfschnitt, und anschließend vergoldet, um die Blätter vor dem Eindringen von Staub zu schützen.
Unbeschnitten ist kein Mangel, sondern ein Vorzug, da das ganze Blatt, so wie es der Drucker intendierte, erhalten ist, dadurch die optimalen Stegverhältnisse gewahrt bleiben. Pressendrucke sind meist oben mit einem Goldschnitt versehen, vorn und unten → unbeschnitten belassen, damit die herrlichen, ungleichen Büttenränder, Kennzeichen des handwerklichen Herstellungsprozesses in der Bütte, erhalten bleiben.
Auch → unaufgeschnitten ist kein Mangel, sondern ein Vorzug, da das Buch als ganzes oder partiell in seinem jungfräulichen, ungelesenen Status verblieben ist.
Schuber
– schützt das Buch, dort wo es empfindlich ist, an
Schnitt und Deckeln, vor Umwelteinflüssen. Ein einfacher → Schuber
wird aus gefalteter Pappe angefertigt,
bessere werden aus
zugeschnitteten Stücken grauer Buchbinderpappe hergestellt
und dann mit farbigem Bütten, Marmorpapier oder Stoff bezogen.
Läßt man den Schuber für ein besonders
wertvolles Buch herstellen, empfiehlt es sich, ihn innen mit Molleton,
Samt oder einem vergleichbaren Material füttern zu lassen.
Eine → Kassette, meist zum klappen, umfängt das in ihrem weich gefütterten Inneren eingelagerte Buch gänzlich und sollte für kostbare bzw. empfindliche Einbände angefertigt werden.
Schutzumschlag – um die Buchdeckel und den Rücken geschlungenes Stück meist bedruckten Papiers, sozusagen eine Verkleidung. Auf Englisch dust-jacket, obgleich der Staub das Buch im allgemeinen, irgendwelcher physikalischen Ursachen halber von oben trifft, und nicht von der Seite.
Ein → Schutzumschlag dient mit seiner Rückseite und den Einschlägen meist der Werbung, der geneigte Leser findet dort anpreisende bis nichtssagende Texte zum Buch vor. Die Vorderseite und der Rücken sollen Aufmerksamkeit erregen, weshalb zu seiner Gestaltung Künstler, Graphiker oder Photographen herangezogen werden. Will heißen, daß manche → Schutzumschläge durchaus ansehnlich oder sogar künstlerisch wertvoll und damit Sammlungsobjekte sein können.
Sedecimo – 16°, 16mo, Sedez, das viermal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papierbogens ergibt eine Lage, daher ist seine Laufrichtung quer zu Höhe des Buches.
Signet – oder Druckermarke, in den frühen Drucken meist Holzschnitt, später auch Kupfer, auf dem Titel und/oder dem letzten Blatt, der – ein Bild sagt mehr als tausend Wörter – symbolisch als Hausmarke, Imprese oder in neueren Tagen Warenzeichen den Verleger kennzeichnet. Neben dem bekannten Signet von Fust und Schöffer verdient der → Aldus-Anker Erwähnung.
Spatium – Wie Lao Tzu im elften Kapitel seines „Tao Te Ching“ schreibt, entsteht das Haus durch die Leere in ihm, ebenso das Wort durch Abstand von anderen. Solche Trenner im typographischen Satz sind die nichtdruckenden Spatien, sie bringen die Leere, die Weiße des Papiers an den rechten Ort.
Ein Quadrat zum Absatzbeginn hebt den neuen vom vorhergehenden ab. Regletten sind der Durchschuß zwischen den Druckzeilen und machen lange überhaupt erst lesbar, ohne sie käme der zeilenverfolgende Finger zum Dauereinsatz. Stege schließlich liefern das Blindmaterial rings um die zu druckende Spalte und trennen sie von den folgenden.
Stege – sind das Weiße rundherum ums Gedruckte: ohne einen Rahmen, der die Schrift umfängt, wirkt sie eng und gedrückt, wie eingesperrt. Unter zahlreichen anderen haben sich William Morris und Jan Tschichold, ausgehend von den Seitenverhältnissen der Handschriften Gedanken um die Proportionen der vier Randstege gemacht. Dort sehen wir, daß der Innen- oder Bundsteg der schmalste ist, ihm folgen der obere, der Außensteg und der Fußsteg, der am breitesten ist (1:1:2:3, 2:3:4:6, etc.; vide: „Willkürfreie Maßverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels“). Diese Verhältnisse, die von Tschichhold in Formeln gekleidet wurden, bereiten dem lesenden menschlichen Auge großen Genuß.
Stockflecken – Ansiedlung von Pilzen im Papier, die sich – genügend relative Luftfeuchtigkeit, also mehr als 60%, vorausgesetzt – fröhlich vermehren und mittels der Papierzellulose Säure produzieren, die das Papier angreift. Wenn ästhetische Gründe nicht dagegen sprechen, kann man, solange das Papier noch genügend Festigkeit aufweist, von einer Behandlung absehen. Desinfektion und vorallem Bleichen könnten unter Umständen schaden.
In heutigen, zentralbeheizten Räumen zeichnet sich der Winter eher durch ein Zuwenig an Luftfeuchtigkeit aus. Stockfleckenbildung ist also kaum noch eine Gefahr; eher verziehen sich der Trockenheit wegen die Pergamenteinbände, die deshalb eng gestellt oder in Schubern aufbewahrt werden sollten.
Stöbern
– „besonders nach
büchern stöbern, unter alten beständen
und
in heimlichen ecken nach büchern, documenten oder sonst
erinnerungen der vergangenheit suchen. die sphäre macht
deutlich: die johannisbeerhecken lachen uns aus, dasz wir
bei ihrem
duft in solchem alten moder stöbern Gutzkow ritter vom geiste
1, 76; bei meiner vorliebe, in altem gerümpel zu
stöbern
Seidel vorstadtgeschichten
120; nur zum vorwande
stöberte er in einer ecke, als habe er dort etwas zu suchen
Polenz
Büttnerbauer
1, 112; insbesondere:
er (Kovachich)
reist
... und stöbert in allen archiven nach diplomen und
handschriften Jacob
Grimm an
Wilhelm 365; der oheim hatte eine ziemlich
starke bibliothek, in der ich nach gefallen stöbern und lesen
durfte, was ich wollte E.
Th. A. Hoffmann 10, 90, vgl. auch: Jamud
hatte sich die ersten vier jahre hindurch wenig um die bibliothek
gekümmert, oder es war ihm nicht eingefallen, darinnen herum
zu stöbern Jung-Stilling
6, 124; solche jagd
wird im einzelnen
geschildert: er ... stöberte zwischen den
bestaubten
bänden Storm
2, 190 (vgl.
aus Schleiermachers leben 2, 173);
daneben noch deutlicher
und auch gebräuchlicher: beim
stöbern unter alten büchern Strausz 7,
300; so kann
sie kommen und unter den büchern stöbern, wie sie es
wohl mag, wenn der herr nicht zu hause ist M. Beer werke 777;
unterdesz
sasz die schulkranke Laura in ihrem stübchen und
stöberte unter den alten liederdrucken Freytag 7,
111; auch
nach münzen stöbern Dahlmann in dem briefwechsel mit
Jac. und Wilh. Grimm 1, 462; vgl. sie lungern ganze tage
auf dem markt
und auf der burg herum, stöbern alte sachen aus dem
schutt Mörike
3, 99; zuletzt auch
er stöberte in seinen taschen Vischer auch einer 1, 77;
er faszt das brod und
kann's nicht theilen
und stöbert, sucht
mit wirrem eilen
in allen taschen
Droste-Hülshoff 2, 41.“
Quelle: Jacob und Wilhelm Grimm: „Deutsches Wörterbuch“, XIX,4-5.
Supralibros – meist goldgeprägtes Besitzerzeichen oder -wappen auf den Buchdeckeln. Besonders in Adelskreisen waren → Supralibros beliebt.
Titelauflage – bis auf das ausgetauschte Titelblatt identischer Buchblock. Gründe mögen sein: Wechsel des Verlages, neuer Buchtitel, Vortäuschen einer Neuauflage.
Unbeschnitten – mögen alle drei sichtbaren Ränder der Blätter eines Buches sein, also bei Folio jene oben, vorn und unten: es sind dann die Blattränder des Papierbogens, so wie er in der Bütte geschöpft wurde, erhalten und deutlich sichtbar. Bei allen Formaten außer Folio müssen die Lagen aufgeschnitten werden; ist dies noch nicht geschehen, wird das Buch zusätzlich als ‚unaufgeschnitten’ beschrieben; beim Oktavformat bedeutet unaufgeschnitten, daß die gefalteten und gehefteten Lagen des Buchblockes oben gänzlich und vorn zur Hälfte im ursprünglichen Zustand verblieben sind.
Meist jedoch läßt der Buchbinder den Buchblock nur vorn und unten unbeschnitten, oben der vergoldete, bisweilen bloß eingefärbte Kopfschnitt, damit kein Staub zwischen den Blättern eindringen kann.
Vélinpapier – englisch „wove paper“, ein Papier, das nicht mittels der üblichen Bütte, die aus einem Holzrahmen mit Drahtsieb aus parallel angeordneten, durch dünnere Drähte miteinander verbundenen Metalldrähten besteht, von unten durch schmale Holzleisten abgestützt, – sondern mittels eines wie Leinwand gewobenen Drahtgitters geschöpft wird und daher eine gleichmäßigere Oberflächenstruktur ohne die sichtbaren Linien aufweist.
Grundvoraussetzung für die europäische Schöpfbütte war die Entwicklung relativ dünner, gleichmäßiger (Messing-, Kupfer- oder Bronze-)Drähte in der Mitte des 13. Jahrhunderts.
Wove paper wurde erstmals von James Whatman um 1750 in England hergestellt und fand in Drucken John Baskervilles Verwendung. Einige Jahrzehnte später gelangte die Methode seiner Herstellung nach Frankreich.
Die 1799 erfundene Langsiebmaschine verwendet ebenfalls ein Kupferdrahtgewebe.
Im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts wurden die Druckwerke meist in Varianten auf normalem Papier und Schreibpapier angeboten; Enslin/Engelmann verzeichnen deren unterschiedliche Preise.
Verbunden – wird nicht etwa ein leidendes Buch, sondern das betreffende Buch leidet an einer Unachtsamkeit des Druckers oder des Buchbinders: entweder hat der Setzer bei den Lagensignaturen nicht aufgepaßt, oder der Binder beim Heften, so daß einige Blätter eines Bogens oder gar ein ganzer Bogen sich nicht dort befinden, wo sie sein müßten.
Versalien – auch MAJUSKELN, zu unterscheiden von Kapitälchen. Erstmals in den römischen Steininschriften verwandt.
Verso – die umgewendete Seite des Blattes, also seine Rückseite, abgekürzt ‚v’. Siehe recto.
Vignette – kleiner Holzschnitt oder Kupferstich, rein ornamental oder mit Einschluß von figürlichen bzw. fleuralen Motiven auf dem Titel, zu Textbeginn oder -schluß, dann auch Cul-de-lampe benannt.
Vorsatz – das Vorsatz verbindet den vom Buchdrucker gedruckten Teil des Buches, den Buchblock, sichtbar mit dem Einband. Früher wurde das Vorsatz vom Buchbinder in den meisten Fällen mitgeheftet, dann mochte es bisweilen auch aus mehr als einem Doppelblatt bestehen. In der modernen Zeit wird das Vorsatz an den Buchblock im Falz schmal angeklebt. In jedem Fall wird das feste Vorsatz, auch „Spiegel“ genannt, an den Innendeckel des Einbandes geklebt, seine Entsprechung innerhalb dieses mittig gefalteten Doppelblattes ist das fliegende Vorsatz, das wie ein normales Buchblatt erscheint, doch bis auf seltene Ausnahmen unbedruckt verbleibt. Meist wird etwas festeres Papier, zum Beispiel ein Maschinenbütten, als Vorsatz verwandt, da die Gewichtslast des Buchblockes im Einband – beim modernen Buch des Buchblockes in der separat erstellten Einbanddecke – sowie die Spannungskräfte beim Öffnen des Buches darauf sowie auf der Hinterklebung lasten.
Um diese Spannung, die aus den verschieden gelagerten Drehachsen beim Öffnen herrührt, zu vermindern, verwenden moderne Buchbinder zum Beipiel ein schmales Zickzack im Falz des Vorsatzes; in der frühen Zeit behalf man sich mit Hinterklebung aus Leinwand- oder Pergamentstreifen zwischen Buchblock und dem direkt auf dessen Rücken samt Bünden geklebten Leder. Auch Hülsen aus faserigem Papier innerhalb eines Hohlrückens dienen dem Zweck, die Vorsätze zu entlasten.
Vorzugsausgabe – Teil einer Auflage mit besonderer Ausstattung: auf besserem Papier, mit zusätzlicher Illustration, mit zusätzlicher Originalgraphik, in besserem Einband. Meist innerhalb der Auflagennumerierung besonders gekennzeichnet. Eine → Vorzugsausgabe ist, so vorhanden, für den bibliophil orientierten Sammler stets von besonderem Interesse.
Wasserzeichen – „The angel is my watermark“ schrieb Henry Miller, doch leider kommen Engel höchst selten als Wasserzeichen im Büttenpapier vor, häufiger sind Hausmarken, Stierköpfe, Kronen und dergleichen, also Verweise auf den Produzenten. Bei handgeschöpftem Papier wird auf dem Drahtnetz der Bütte, mittels der jeder einzelne Bogen aus der Faserschwemme geschöpft wird, das Ornament, das später als Wasserzeichen zu sehen sein soll, aufgebracht. Es können sich an diesen Stellen weniger Fasern anlagern, das Papier wird dort dünner, so daß das Wasserzeichen beim fertigen Bogen etwas heller als der Rest durchscheint..
Wert – Alles ist relativ. Diese Aussage galt schon immer für den Wert von Kunst wie den antiquarischer Bücher – heutzutage vielleicht noch mehr. Er ist genau das, was der Sammler, der interessierte Käufer gewillt sind, für ein Buch auszugeben. Er unterliegt dem Geschmackswandel, den Moden, den Verlockungen. Für den Geschmackswandel scheinen die Zeitläufte verantwortlich, für Moden die Medien, von denen sie propagiert werden, für die Verlockungen die Anbieter mit ihren Angeboten, deren Beschreibungen und Photographien.
Innerhalb der Relativität gibt es einen Maßstab der Wertigkeiten: eine Erstausgabe ist wertvoller als eine spätere, ein Buch im Originaleinband wertvoller als das im privaten; ein → Meistereinband veredelt das Werk, eine gute Abstammung, → Provenienz ebenso.
Bei modernen Büchern tritt der → Schutzumschlag hinzu: makellos vor kleinen Mängeln, vor großen, vor gänzlichem Fehlen.
Fachmännische Restaurierungen sind bisweilen notwendig, je älter, je häufiger benutzt das Buch, desto eher; sie heben den Wert.
Widmungsexemplar – Ist eine Signatur der bloße eigenhändige Namenszug des Autors bzw. Herausgebers, so geht die → Widmung einen Schritt weiter: dies Exemplar ist jemandem handschriftlich zugeeignet, der dem Verfasser entweder nahestand oder berühmt genug war, sich diese Bevorzugung zu verdienen. Widmungsexemplare werfen ein Licht auf die freundschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen des Autors. Wer sie sammelt, erhält ein spannendes soziales Geflecht.
Ziegenleder – wird unterteilt in → Saffian, das ist feingenarbtes Leder; → Maroquin, das typische Leder französischer Einbände des achtzehnten Jahrhunderts, unregelmäßig genarbt, doch sehr natürlich und lebendig, meist rot; → Oasenziege, dessen neue Entsprechung, regelmäßiger genarbt, doch von exquisiter Eleganz.
Zitieren – von → Bibliographien und → Personalbibliographien. Es gibt zwei Methoden sinnvollem Handhabens bibliographischer Angaben: Seitenzahl oder Nummer, eventuell gegliedert nach selbständigen Veröffentlichungen, solchen in Zeitschriften etc, welches durch vorangestellte Buchstaben unterschieden werden kann. (Bisweilen Seitenzahl und Nummer, wenn die Numerierung nicht durchgehend ist, wie z.B. bei Renouard, Alde oder Estienne, in diesem Fall wird die Bibliographie nach Seite, Nummer angeführt.) Sinnvoll ist die Einteilung nach Schaffensjahren des Autors, wobei selbstverständlich das Erscheinungsdatum der Erstausgabe maßgeblich ist, spätere mögen unter dieser aufgeführt werden.
Der Rest sind Verwirrspiele wie z.B. Goedeke, der zwar sein Werk in zahlreiche Bände gliedert, die jedoch nicht den in den Spaltenüberschriften angeführten „Büchern“, die wiederum in Paragraphen unterteilt sind, entsprechen.
Zustandsbeschreibung – folgt bei mir eingerückt dem Kommentar, führt Provenienzen, die Mängel des Exemplars und evtl. seine Vorzüge auf.
“Ah they’re soiled now, they’re torn at the edges”, Leonard Cohen: “Humbled in Love”.
Zwischentitel – untergliedern ein mehrteiliges Werk. Sie sind fast immer recto zu finden, ihre Gestaltung reicht von äußerst schlicht bis beinah ebenso aufwendig wie der Haupttitel, dann nochmals mit Ort, Drucker und Jahr versehen; ihr Blattverso ist weiß.
Index: A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
Z
Urheberrecht © Rainer Friedrich Meyer 2008-2012 · www.meyerbuch.com